Wohl niemand hätte vor der Saison geglaubt, dass sich die Konstante der Bezirksliga schlechthin - HSK 11 mit seinem Kapitän Kurt Kahrsch - unaufhaltsam in die Stadtliga spielen würde. Dabei startete die Spielzeit mit einem hart erkämpften Punkt gegen HSK 12 und alles sah wie immer aus. Dass danach alle restlichen Mannschaftskämpfe an uns gehen würden, machte alle Experten sprachlos. Zumal wir in keinem Match in Bestbesetzung antraten, vielmehr erlaubten wir uns den Luxus, immer mal auf zwei Spitzenbretter zu verzichten.
Was sind also die Gründe für unser erfolgreiches Abschneiden? Das Glück des Tüchtigen fällt mir spontan als Begründung ein. Caissa schien uns gnädig gestimmt oder aber die anderen Vereine hatten keine Lust mehr, jede Saison immer gegen dieselben antreten zu müssen und haben uns für eine Saison in die Stadtliga gebeten. Ein anderer Grund ist das tolle Abschneiden einiger Akteure, wie z.B. Leon Tscherepanov (7 ½/9), Helge Hedden (5/6), Christoph Bohn (6 ½/9), Rolf Puster (4/6) und Oliver Leube (6/9).

Helge Hedden, Brett zwei. Beim Stand von 3 : 4 aus Sicht von
Diagonale sah alles nach einem Punkt am zweiten Brett aus
Ein Knackpunkt war sicherlich der Mannschaftskampf gegen Diagonale in der fünften Runde, der mit dem knappsten aller Ergebnisse an uns ging. Es hätte auch anders herum ausgehen können, denn Rolf am ersten Brett hatte sich ein schlechteres Leichtfigurenendspiel ans Knie gebunden und vermutlich nur der Zeitnot seines Gegenüber war es zu verdanken, dass dieser Remis anbot anstatt nach den Gewinnmanövern Ausschau zu halten. Und warum auch nicht? Beim Stand von 3 : 4 aus Sicht von Diagonale sah alles nach einem Punkt am zweiten Brett aus, waren doch drei Mehrbauern in einem Turmendspiel ein eindeutiger Vorteil. Auf Drängen einiger Fans von Helge rollen wir die Ereignisse aus der Schlussphase der Partie auf und machen sie der breiten öffentlichkeit bekannt: Nachdem Helge im Mittelspiel eine aussichtsreiche Fortsetzung ungenutzt liegen ließ, kam der Gegner in Gestalt von Schachfreund Jürgens massiv in Vorteil und hätte in einem Schwerfigurenendspiel mit Damen sicherlich den Sack zumachen können. Aber warum nicht in ein Turmendspiel mit Mehrbauern in Hülle und Fülle überleiten? Irgendwo hier machte Rolf Remis und die verbliebenen Schlachtenbummler beider Seiten hielten es nur für eine Frage der Zeit, wann Schwarz gewinnen würde. Alle? Wirklich alle? Nein! Udo Figger als spät angereister Edelfan bei diesem Mannschaftskampf glaubte trotz der objektiv verlorenen Stellung an die Möglichkeiten der weißen Verteidigung, wenn Schwarz auch nur etwas fahrlässig zu Werke geht:
Helge Hedden - Florian Jürgens
HMM 2010 (5), 26.03.2010
[HSK11 - Diagonale Bezirksliga B]
Stellung nach
46.Td1-+

Stellung nach 46.Td1-+
46...f3+ 47.Kf2 Tf5 48.Tb1 Tf7 49.Td1 Td7 50.Td4 h5 51.h3 gxh3 52.Kxf3 Kf7 53.Th4 Kg6 54.Txh3 Kg5 55.Tg3+ Kf5 56.Th3 Th7 57.Th4 Th6 58.a5 Ke5 59.Tb4 Th7 60.Th4 d4 61.Ke2 Th8?! Hier fangen die Ungenauigkeiten an. Die mit 61. ... Kd5 eingeleitete Königswanderung nach a5 und Schlagen des Bauern resultiert in einem relativ einfach gewonnenen Turmendspiel.
62.Kd3 Th6 63.Te4+ Stellt die Gretchenfrage: Wohin mit dem König? a-Bauern angreifen mit Verlust des eigenen d-Bauern mit Schach oder sich dem eigenen Freibauern zwecks Unterstützung nähern?
63. … Kf5?? Und schon ist die Stellung Remis! 63. … Kd5 mit übergang zur vorherigen Idee hätte noch immer gewonnen.
64.Te7 = h4 65.Txb7??

Stellung nach 65.Txb7??
In heraufziehender Zeitnot von der Aussicht auf einen eigenen Freibauern und den damit vermeintlichen Gegenspielchancen geblendet, verschmäht Weiß die Alternative und somit den Weg zum Remis: 65. Tf7+ Kg4 66. Tg7+ Kf4 67. Tf7+ Kg3 68. Tg7 Kf3 69. Tf7+ Kg2 70. Tg7+ Kh2 = Der schwarze König unterstützt seinen Bauern, muss sich aber vor ihm verstecken, um den Schachgeboten zu entkommen. Andere Ideen scheitern daran, dass die schwarzen Figuren die eigenen Bauern dann nicht genügend unterstützen und Weiß den Bb7 mit genügend Zeit für Gegenspiel gewinnt.
Die Partiefortsetzung gibt Schwarz das benötigte Tempo und eine erneute Gewinnstellung, ...
65. ... h3 66.Tb1 h2?? ... die einzig mit 66. ... Kf4 -+ umzusetzen war. Der entscheidende Unterschied zur Partiefortsetzung ist, dass der König den Bauern nach 67. Th1 Kg3 deckt und der Turm für andere Aufgaben freigestellt wird. Zusätzlich schirmt der schwarze König den Freibauern beim Weg zum Umwandlungsfeld vom weißen König ab. Aber hier hätte Schwarz schon genauer nachrechnen müssen, um das angesprochene Tempo zu finden, anstatt Züge aus allgemeinen Erwägungen heraus zu machen. Nach 66. ... h2 war es Weiß nach kurzer Berechnung klar, dass es gerade so zum Remis reicht, ...
67.Th1 = Kg4 68.Kxd4 ... was an dieser Stelle sowohl Schwarz als auch den Zuschauern langsam dämmerte und vereinzelt zu ungläubigen Kopfschütteln führte. Außer bei Udo, der sich ein Grinsen nicht verkneifen konnte.
68...Kg3 69.Kc5 Kg2 70.Txh2+ Kxh2 71.Kb5 Kg3 72.a6 Kf4 73.a7 Th8 74.Kc6 Ke5 75.Kb7 Th7+ 76.Kb8 Kd6 77.a8D Th8+ 78.Ka7 Txa8+ 79.Kxa8 ½–½
Was wird sich in der kommenden Saison ändern? Eigentlich nichts. Der Kader bleibt vermutlich in seiner Zusammensetzung bestehen und das von unserem Kapitän ausgegebene Ziel bleibt dasselbe – Klassenerhalt.
Quelle: Aktuell 3/2010